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Das Schicksal der katholischen Verbindungen
in der Zeit des Nationalismus
 

Auf Grund der Entwicklung im 19. Jahrhundert war nach dem Ende des 1. Weltkrieges für viele Österreicher mit dem Ende der Habsburgermonarchie für das kleine „restliche“ Österreich als ein „deutscher“ Staat der Anschluss an Deutschland naheliegend.

Politiker und Parteien aller Richtungen sprachen sich dafür aus, auch deshalb, weil sie nicht an die wirtschaftliche Lebensfähigkeit des kleinen Landes glaubten. Die Siegermächte verboten den Anschluss. „Deutsch“ hatte damals für die Österreicher nicht diesen Beigeschmack wie heute nach sieben Jahren Nazi-Herrschaft.

Mit der Machtergreifung der Nazis in Deutschland trennten sich die katholischen Hochschulverbindungen Österreichs von ursprünglich gemeinsamen Dachverband mit den deutschen Verbindungen. Die Mittelschulverbindungen waren nie in einem gemeinsamen Verband mit deutschen Verbindungen.

Nach dem Anschluss 1938 wurden alle katholischen Verbindungen unverzüglich von den Nazis verboten - natürlich auch Nibelungia.

Als die Verbindung nach dem Ende der Nazi-Herrschaft wieder erstand, trennte sie sich radikal von jenen Wenigen, deren Nähe zum Nationalsozialismus 1938 deutlich geworden war.

 

Das Ende Nibelungias im März 1938

Am l2. März 1938 marschierten reichsdeutsche Truppen in Österreich ein, am 13. März 1938 wurde Österreich als Bestandteil des Deutschen Reiches proklamiert. An diesem Tage begann der Leidensweg für viele treue Österreicher. AH cand.jur. Herbert Machatschek v. Ekkart, damals Phil. xxxx, nahm in St. Pölten sofort Fühlung mit dem Phil. x AH Dr. Walter Antoniolli v. Dietrich auf und veranlaßte mit dessen Einverständnis die Einberufung eines BC(= vereinsrechtliche Hauptversammlung) für den 17. März 1938 auf der Bude. An diesem Convente, der plenis coloribus (= in vollen Farben) stattfand, erschienen der damalige Senior Josef Lenz v. Olaf und der Fuchsmajor Karl Nefischer v. Giselher mit der Hakenkreuzbinde, legten diese jedoch über Aufforderung ab. AH (Herbert Machatschek v.) Ekkart hielt eine "Abschiedsrede" während über den Rathausplatz die Deutsche Wehrmacht marschierte und die NS-Verbände brüllend umherzogen. Er forderte die Aktiven auf, trotz der geänderten politischen Verhältnisse im Staate an den geschworenen Prinzipien festzuhalten, der Kirche die Treue zu halten und der österr. Heimat in Liebe zu dienen. Schließlich forderte er die Aktiven auf, auch fürderhin den Bundesbrüdern in Lebensfreundschaft verbunden zu bleiben. Sodann wurde über seinen Antrag der Beschluß gefaßt, den Verbindungsbetrieb "bis zur Klärung der politischen Verhältnisse" einzustellen. Das Verbindungsinventar, sowie das vorhandene Geld wurde dem Elternverein des St. Pöltner Gymnasiums beschlußmäßig übereignet, die Couleurartikel, das Wappen und die Protokolle, Bücher u. dgl. wurden in sein Eigentum übergeben. Das Ende dieses BCs schien das Ende "Nibelungias" zu sein. So ähnlich muß die Stimmung gewesen sein, als am 26.11.1819 die Deutsche Urburschenschaft aufgelöst wurde und die Studentenschaft sang:

"Das Haus mag zerfallen,
was hat's denn für Not?
Der Geist lebt in uns allen
und unsre Burg ist Gott".
 

Nach dem Ende der NS-Herrschaft fand eine genaue Überprüfung des Verhaltens der Mitglieder während des „1000jährigen Reiches“, das in Österreich zum Glück nur 7 Jahre gedauert hatte, statt. „Mit Freude ist festzustellen, dass nur von ganz wenigen Bundesbrüdern eine Trennung wegen Prinzipienbruches vorgenommen werden musste.“

Quelle: Herbert Machatschek: „Verbindungsgeschichte“, anlässlich des 60. Stiftungsfestes 1979 („Große“ Verbindungsgeschichte), im Archiv der KÖMV Nibelungia St. Pölten

 

 

Von den Nationalsozialisten besonders verfolgte Mitglieder
der KÖMV Nibelungia St. Pölten
 

Figl Leopold, geb. 2. 10. 1902, rec. 13. 5. 1919, ver. 9. 5. 1965,
u. a. Bundeskanzler, Außenminister (Staatsvertrag 1955!), Landeshauptmann von NÖ

Figl wird am 12. 3. 1938 als einer der ersten in Wien verhaftet und am 1. 4. 1938 mit dem ersten Transport in das KZ Dachau eingeliefert. Figl ist der erste Österreicher, der zur Prügelstrafe verurteilt wird, da er verbotenerweise über Österreich sprach. Er wird vor versammelten Häftlingen und Wachmannschaften über einen Block gelegt und mit einem wassergetränkten Ochsenziemer (= elastischer Prügel) 25 Mal auf den Rücken geschlagen. Danach sechs Monate Dunkelhaft. Einsatz im Baubüro des KZ. Winter 1939 Überstellung nach Flossenbürg. April 1940 Rückkehr nach Dachau, dort an Typhus erkrankt. Nach 5 Jahren KZ am 8. 5. 1943 vorläufig entlassen. Arbeitet in einer Baufirma. Trotz Verfolgung Betätigung im Untergrund. Am 8. 10. 1944 neuerlich verhaftet und in das KZ Mauthausen verbracht. Am 21. 1. 1945 … nach Wien überstellt, vor dem Volksgerichtshof angeklagt und wegen Hochverrates zum Tode verurteilt. Nur der Zusammenbruch der NS-Herrschaft rettet ihn vor der Exekution. Nach dem Krieg ist Figl der erste Bundeskanzler Österreichs, in der Folge bekleidet er noch die o. a. Ämter.
 


Loiskandl
Franz vlg. Rübezahl, geb. 2. 1. 1913, rec. 5. 9. 1929, ver. 25. 11. 1952, Landesbeamter

Loiskandl wird am 16. 3. 1938 für einige Tage verhaftet. Er wird am 5. 6. 1938 neuerlich verhaftet und nach St. Pölten in das Kreisgericht und wenig später nach Wien ins Landesgericht. gebracht. Am 25. 9. 1938 wird er in das KZ Buchenwald überstellt. Am4. 5. 1939 wird er aus der Haft entlassen und in eine Bewährungskompanie der Wehrmacht überstellt. Er stirbt 1952 bei einem Verkehrsunfall.

Quelle: „Farbe tragen Farbe bekennen“, 1938 bis 1945, katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung, Österr. Verein für Studentengeschichte, Wien 1988

Siehe zum Thema u. a. auch: „Korporierte im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, herausgegeben von Dr. Peter Krause und Herbert Fritz, Österr. Verein für Studentengeschichte, Wien 1997

 

 

Die Kirche im Nationalsozialismus

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Kirche im Dritten Reich - Vom Widerstand zur Einigung - Kirchenkampf - Schweigen zur Judenvernichtung - Ein gerechter Krieg?
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