
| | Es war einmal... Aus Anlaß des 75. Stiftungsfestes im Jahr 1994 wurden alle Bundesbrüder eingeladen, ihre "persönliche Verbindungsgeschichte" zu verfassen. Die in der Folge abgedruckten Beiträge langten zeitgerecht vor dem Stiftungsfest ein. Naturgemäß geben sie die Sicht des jeweiligen Verfassers wieder. Kommentar zu dieser Version der Festschrift: In der Original-Festschrift findet sich auch eine Übersicht aller Philistersenioren, Senioren und der Toten. Diese wurden hier weggelassen. (Jimmy) Das Bild rechts wurde gestaltet von Bbr. Josef Tobner (akademischer Maler). Worte des Philisterseniors Autor: Dr. Günther Scheibelauer v. Horand Die Zellen des menschlichen Körpers sind spätestens nach sieben Jahren alle neu - die Aktivitas einer Verbindung wird wesentlich schneller ausgewechselt, vielleicht alle drei Jahre. Der Mensch besitzt durch sein Ich-Bewußtsein die Möglichkeit zur Kontinuität seiner Persönlichkeit - wie ist es um die Kontinuität einer Verbindung bestellt? Die Aktivitas zur Zeit der Gründung im Jahre 1919 und auch in der Zwischenkriegszeit lebte in einer gesellschaftlichen Situation relativ klarer politischer und weltanschaulicher Fronten, mit all den Vor- und Nachteilen einer solchen Situatiuon. Die Aktivitas des Jahres 1994 wurde in eine Mentalität des "anything goes" hineingeboren. Ist es noch dieselbe Verbindung ? Die folgende Dokumentation "persönlicher Verbindungsgeschichte” soll ein Beitrag sein, Vergangenes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, Kontinuität zu wahren. Allen, die einen Beitrag geleistet haben, ist herzlich zu danken, andere mögen sich angeregt fühlen, "nachzukommen". Richtig verstandene Kontinuität - natürlich nicht Starrheit, auch der einzelne Mensch verändert sich ja im Laufe seines Lebens - wird in einer Verbindung vor allem durch den Kontakt der "jungen" und "alten" Alten Herren mit der Aktivitas gewährleistet werden, und zwar durch einen möglichst regelmäßigen Kontakt, durch ein Miteinander-Leben. Ich habe vielen Conphilistern zu danken, die sich in den letzten Semestern über Bitte des AHChC für die Verbindung und damit auch für die Aktivitas zur Verfügung gestellt haben. Bei den vielen "kleinen" Veranstaltungen der Aktivitas waren die Vertreter des Altherrenvorstandes aber nicht selten mit zwei oder drei jungen AHAH allein. Gerade hier könnte im Einzelgespräch ein wirklicher Kontakt entstehen, könnte Kontinuität erreicht werden. An die vierzig Alte Herren wohnen in St. Pölten oder in der nächsten Umgebung - welches Potential ist hier noch ungenützt! St. Pölten, im April 1994
Worte des Seniors Autor: Jürgen Brandstätter v. Marius Liebe Bundes- und Kartellbrüder! Hohe Gäste!Nibelungia feiert ihr 75. Stiftungsfest! Das gibt Anlaß zu Betrachtungen aller Art und - vor allem für ältere Bundesbrüder - zur Erinnerung und zu Vergleichen. Wie auch immer solche Vergleiche ausfallen mögen, eines wird sich wohl kaum geändert haben: die Art der Nibelungen, Feste zu feiern - besonders ein rundes Stiftungsfest - und die besondere Athmosphäre, die zu solch einem Anlaß herrscht. Und darauf freue ich mich auch persönlich: die Stimmung, das Miteinander, das Wiedersehen von Bundesbrüdern, die schon länger nicht bei uns waren. Ein 75. Stiftungsfest ist wohl ein geeigneter Rahmen dazu. Außerdem ist es mir eine Ehre, das 75. Stiftungsfest schlagen zu können und der Nibelungia gerade in diesem Semester als Senior zur Seite zu stehen. So bleibt mir nur noch, jedem Bundes- und Kartellbruder und auch jedem Gast zu wünschen, daß dieser Tag der Nibelungia auch für ihn ein unvergeßliches couleurstudentisches Erlebnis wird. Vivat, crescat, floreat - ad multos annos!
75 Jahre "Nibelungia" St. Pölten Bereits 1914 wurden die ersten Versuche unternommen, eine Studentenverbindung in St.Pölten zu gründen, wobei jedoch diese Bemühungen in den Wirren des 1. Weltkrieges scheiterten. Erst im Laufe des Jahres 1919 erhielt auch die Koalitionsfreiheit, das heißt das Recht, sich zu Verbindungen zusammenzuschließen. Es gab zwar bereits vorher verschiedentlich katholische Pennalien, die im Verborgenen lebten, aber deren Mitglieder Gefahr liefen, bei Bekanntwerden der Zugehörigkeit zu einer solchen Verbindung von der Mittelschule relegiert zu werden. Die älteste dieser Korporationen in Österreich ist e.v. Teutonia Innsbruck (Gründungsjahr 1876). Am 13. Mai 1919 trafen sich in einem St.Pöltner Innenstadtgasthaus die Studenten Heinrich Raab, Julius Schmid, Karl Schmid und Alfred Schmid, alle Mitglieder der Wiener CV-Verbindung Norica, und gründeten mit den Gymnasiasten Josef Bilas, Rudolf Dworak, Nikolaus Eichlehner, Leopold Figl, Robert Hanel, Rudolf Klar, Gottfried Lob, Karl Lorenz und Bruno Suchanek als Gründungsburschen die "Katholisch-deutsche Mittelschulverbindung Nibelungia St.Pölten”. Als Verbindungsfarben (Burschenfarben) wählte man hellblau-weiß-gold, als Fuchsenfarben hellblau-weiß zur Mütze aus orangenfarbenem Tuch. "Deutsch sein heißt treu sein” - so lautete der Wahlspruch der Korporation bis 1945. Bereits am Gründungsconvent wurden die ersten Ehrenmitglieder aufgenommen, darunter auch Kanonikus Franz Huber, der den St.Pöltner Studentenverbindungen ein großherziger Förderer wurde, ihr Wirken maßgeblich beeinflußte und Nibelungia 1921 auch das von Leopold Zimmerl geschnitzte Verbindungswappen schenkte. Am 24.Mai 1919 wurde Julius Raab Ehrenmitglied der Verbindung, jedoch am 27.9.1919 in den Status eines Urphilisters übernommen. Das Wesen Nibelungiae baute vom Beginn an auf den Prinzipien aller katholischen Studentenverbindungen - religio, patria, scientia, amicitia -auf. Nach der internen Konsolidierung trat Nibelungia vermutlich im Jahre 1920 dem Verband katholischer Pennalverbindungen (VPV) bei. Nach inneren Schwierigkeiten im VPV, die unter anderem auch auf weltanschauliche Differenzen zurückzuführen waren, und in der Folge keine Einigung erzielt werden konnte, verließen 1926 viele Verbindungen, darunter Aggstein, Nibelungia und Carolina, den Verband . Auch nach der Auflösung des VPV 1931 blieb der Gedanke einer Einigung der katholischen Pennalien lebendig. Nibelungia gehörte zu den 30 Gründungsverbindungen des Verbandes der katholisch-deutschen farbentragenden Mittelschulverbindungen Österreichs (VMK, später MKV) im Jahre 1933. 1934 vollzog sich der Austritt der St.Pöltner Korporationen aus dem VMK, da sie mehrVorteile in einer Zugehörigkeit zum KdSB (Katholisch- deutscher Studentenbund) sahen. Da sich der KdSB jedoch immer mehr der Betreuung anderer angeschlossener Organisationen widmete, lockerte sich das Verhältnis zwischen ihm und Nibelungia und wurde am 1.5.1937 mit dem Wiedereintritt in den nunmehr MKV benannten Gesamtverband gänzlich aufgelöst. Die politische Entwicklung in Deutschland und Österreich und die daraus resultierenden Ereignisse der Märztage 1938 beeinflußten auch maßgeblich das Schicksal Nibelungiae. Während am St.Pöltner Rathausplatz bereits NS-Verbände umherzogen, wurde am 17. März 1938 auf einem ordentlichen Burschenconvent die Einstellung des Verbindungslebens "...bis zur Kläung der politischen Lage..." beschlossen. Auch viele Nibelungen bekamen in der Folge die Fremdherrschaft zu spüren. Sie verloren ihre Stellungen oder erhielten Berufsverbot, einige, darunter AH Leopold Figl, wurden im KZ interniert, und vierzehn Bundesbrüder verloren im 2. Weltkrieg ihr Leben. Nach dem Krieg arbeiteten viele Nibelungen beim Wiederaufbau Österreichs mit, wobei an dieser Stelle besonders Leopold Figl und Julius Raab erwähnt sein sollen. Beide waren maßgeblich am Zustandekommen des österreichischen Staatsvertrages beteiligt, den Außenminister Bbr. Dipl. Ing. Leopold Figl vlg. Schwips am 15. Mai 1955 als Vertreter Österreichs im Belvedere unterzeichnete, und der diesem Land nach 17 Jahren Fremdherrschaft die Freiheit brachte. Nach Kriegsende kam vorerst kein Verbindungsbetrieb zustande, da die Eltern der Studenten wegen der russischen Besatzungstruppen gewisse Sorgen hatten und den Gymnasiasten einen Beitritt zur Verbindung nicht erlaubten. Am 11. Dezember 1946 fand in den Räumlichkeiten der Wiener Hochschulverbindung Austria ein Altherrenconvent Nibelungiae statt, der zugleich der Reaktivierungsconvent der Korporation war. Neben dem neuen Wahlspruch "In fide firmitas” ("In der Treue liegt die Stärke”) wurde ein Chargenkabinett aus den Reihen der St.Pöltener Altherrenschaft gewählt, der die Aktivitas bis zur Heranbildung junger Chargen führen sollte. In den darauffolgenden Jahren kam es zu einer steten Stärkung der Verbindung, und es entwickelte sich eine vorbildliche Zusammenarbeit der St.Pöltner Pennalien. Der Stadtverband setzte markante Aktivitäten, Marterlfeiern, Farbstudentenbälle und ähnliche Veranstaltungen präsentierten die Verbindungen auch der Öffentlichkeit. Beim 30. Stiftungsfest im Jahre 1949 wurde das Freundschaftsband zwischen Nibelungia und Aggstein getauscht. Da die Stärke der Aktivitas einem ständigen Wechsel unterworfen war, wurde im Jahre 1951 beschlossen, auch Schüler der Bundesgewerbeschule (heute HTBLuVA) zu rezepieren. 1953 wurde die erste Landesvaterkneipe geschlagen, die seit diesem Zeitpunkt alljährlich in den Wochen um das Stiftungsfest zur feierlichen Erneuerung des Burscheneides abgehalten wird. Aus Anlaß des Jubiläums "75 Semester Nibelungia” fand am 7.Dezember 1956 ein Festkommers statt, bei dem die AHAH Alfred Schmid, Julius Raab (damals Bundeskanzler) , Leopold Figl (damals Außenminister), Bruno Suchanek, Karl Lorenz und Gottfried Lob die "75 Semester-Jubelbänder” erhielten, die beschlußmäßig nur einmal vergeben wurden. Einen weiteren Höhepunkt im Verbindungsleben seit 1945 stellte sicherlich das 40. Stiftungsfest 1959 dar, im Rahmen dessen die von der Altherrenschaft gespendete wertvolle Verbindungsfahne unter der Patenschaft von Frau Elfriede Machatschek, der Mutter des ersten Philisterseniors nach den Krieg, geweiht wurde. 1965 entstand der Brauch, jeweils im Oktober aus Anlaß des Staatsfeiertages einen Österreichkommers zu schlagen. Das 50. Stiftungsfest im Jahre 1969 litt sicherlich auch unter dem in dieser Zeit sehr stark angegriffenen Image des katholischen Couleurstudententums und wurde im engeren Kreise treuer Bundesbrüder begangen. Im Oktober 1973 wurde mit Carolina das Freundschaftsband getauscht, sodaß die St.Pöltner katholischen Korporationen nun auch durch äußere Zeichen in ihrer Freundschaft vereint waren. 1981 richtete Nibelungia das NÖ-Landestreffen aus, 1982 war der stellvertretende Landes-Schulsprecher ein Nibelunge, Bbr. Michael Reindl vlg. Häferl. In diesem Jahr wurde nach längerer Zeit wieder ein Gymnasiast als Fuchs aufgenommen. Am 9. Mai 1982 verstarb Bbr. Gottfried Lob, der letzte Gründungsbursch unserer Verbindung.Im Juli des folgenden Jahres verstarb auch der letzte unserer Gründer, Bbr. Alfred Schmid. 1984 wurde der St.Pöltner Stadtverband aufgrund der Initiative der Senioren e.v. Aggstein und unserer Verbindung reaktiviert. Beim Festkommers im Rahmen des Diözesanjubiläums 1985 tauschten die Verbindungen des Stadtverbandes, Aggstein, Carolina und Nibelungia mit der KÖSt.V im ÖCV Floriana das Freundschaftsband. Es war dies das erstemal, daß Freundschaftsbänder zwischen Verbindungen des MKV und des ÖCV ausgetauscht wurden. Ende 1985 kamen die ersten Diskussionen über einen Mädchenzirkel auf. Das Jahr 1986 brachte das NÖ-Landestreffen wieder nach St. Pölten. Beim Festkommers tauschten e.v. KÖMV Babenberg Lilienfeld und unsere Verbindung das Freundschaftsband. Mitte dieses Jahres kam die Probenummer der "Heßstraße 1" heraus. Sie war und ist ein kritisches Blatt, das schon manchem auf die Finger geklopft hat. Beim Weihnachtskommers dieses Jahres wurden zum erstenmal Ehrenzipfe in Silber an zwei verdiente Inaktive verliehen, an Bbr. Wolfgang Gomar vlg. Barney und Bbr. Martin Goiser vlg. Filou. Aufgrund der Diskussionen um einen Mädchenzirkel wurde 1987 die Gründung e.v. Tragisa im VFM von den BBbr. Christian Gepart vlg. Aeneas und Martin Goiser vlg Filou unterstützt. 1988 wurden die Statuten des Stadtverbandes dahingehend verändert, daß es keine vorsitzende Verbindung mehr gibt, sondern nur einen Vorsitzenden in der Person eines Verbindungsvertreters. Im WS 1988 wurde Bbr. Christian Gepart mit dem Ehrenzipf in Gold von der Aktivtas ausgezeichnet. Beim 70. Stiftungsfest im Jahr 1989 konnten erstmals 125- Semester - Jubelbänder verliehen werden. Im Wintersemester dieses Jahres erfolgte der Austausch von Freundschaftszipfen mit e.v. Tragisa im VFM. Bbr. Erich Jexenflicker vlg. Parzifal erhielt bei der Abschlußkneipe im SS 89 einen Zipf als Dank der Verbindung für besondere Verdienste, ebenso Bbr. Bernhard Gepart vlg. Odysseus beim Osterkommers im Jahre 1992 und Frl. Dani Godderidge beim Weihnachtskommers des selben Jahres. Anläßlich des Pennälertages 1992 wurde von der Altherrenschaft und der Aktivitas die Einrichtung der Bude im Thekenbereich in vielen Arbeitsstunden erneuert. Ab dem Sommersemester 1993 wurde versucht, mit einigen "offenen" Veranstaltungen zur Perönlichkeitsbildung allgemeine "Image-Werbung " zu betreiben. Im SS 93 konnte sich unsere Verbindung in zwei Klassen des ORG vorstellen. Das SS 94 brachte schließlich eine völlige Neufassung der "Satzungen und Geschäftsordnung", die am 19. März 1994 einstimmig beschlossen wurde. Sie war in nur zehnmonatiger Arbeitszeit erstellt worden.
Erinnerungen an Nibelungia Autor: Dr. Herbert Machatschek v. Ekkart Ich wurde am 15.4.1931 rezipiert, am 2.7.1932 geburscht und am 1.7.1936 philistriert. Gleich nach der Burschung leistete ich die Chargensemester ab, begann mit dem xxx2, zweimal xxx1, xx und schließlich, im Wintersemester 1934/35 und im Sommersemester 1935, war ich Senior und in diesem Semester noch zustätzlich FM. Das bedeutendste Stiftungsfest in dieser Zeit war im Jahre 1934, das 15. Stiftungsfest, das ganz groß gefeiert wurde. Es kamen sehr viele Gastchargierte und die bedeutensten Persönlichkeiten der Stadt St.Pölten nahmen am Kommers teil, selbstverständlich unser Gründer, Dr. Heinrich Raab vlg. Faust, der damals Bürgermeister war. Als ich das Seniorat antrat, hatten die jüngeren Semester in der Schule große Schwierigkeiten, Diese warf auf die Verbindung ein schlechtes Licht. Ich hattte mich als Senior verpflichtet gefühlt hier Abhilft zu schaffen und habe auf der Bude kostenlose Nachhilfestunden, die ältere Semester gaben, eingeführt. Dies führte tatsächlicht zu einem besseren Studienerfolg. Auch die Alten Herren anerkannten diese Leistung und ich bekam als Einziger, worauf ich heute noch stolz bin, am Weihnachtskommers 1934 von unserem Studentenvater, Prälat Franz Huber, ein Buch über den im Juli 1934 ermordeten Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß geschenkt. Als Widmung schrieb er: "Für Deine Treue und fleißige Arbeit als Senior Nibelungias dankt Dir zu Weihnachten Dein Franz Huber". Dieser Kommers war noch aus einem anderen Grunde für mich bedeutungsvoll. An diesem Tage katte der Vater unseres FM Herbert Kienzl vlg. Tassilo, Herr Kom.Rat Hermann Kienzl, in Wien einen Orden für dien Verdienste um den Bundesstaat Österreich verliehen bekommen. Überraschenderweise kam er abens zum Kommers und ich begrüßte ihn ganz besonders herzlich und gratulierte ihm zu seinem Orden. Ich erhielt von ihm für die Verbindung eine Geldspende, ich weiß nicht mehr wieviel, konnte aber um diesen Betrag drei Fläuse anschaffen. Hatten wir bis dahin in Salonwichs chargieren können, so war dies nunmehr in Halbwichs möglich. Am 25.Juni 1935 hatte ich als aktiver x und FM maturiert und da neun Maturanten Nibelungen waren, veranstaltete ich einen Abschiedscouleurausflug nach Pyhra. Im Oktober 1935 kam ich an die Universität nach Wien und mein erster Weg war auf die Bude der "Austria Wien". Dort traf ich als neuen Bundesbruder stud.phys. Ferdinand Baldiago, der stellvertretender Kartellphilistersenior des MKV war. Nibelungia, die 1933 zu den 30 Gründungsmitgliedern des VMK (später MKV) gehörte, war 1934, hauptsächlich über Betreiben von Prälat Franz Huber, aus dem MKV ausgetreten und hatte sich dem KDSB (Kath.deutscher Studentenbund) angeschlossen. Dieser hatte sich allerdings mehr um die Mittelschüler-Finkenschaft angenommen und deshalb wurden unsere Beziehungen zu ihm immer lockerer. Baldia brachte mich mit dem MKV Kartellvorsitzenden Jaro Sterbik-Lamina, OCW zusammen und ich habe mit diesem Gespräche über einen Wiedereintritt geführt. Dies hatte zur Folge, daß die drei St.Pöltener Verbindungen am Ortsverbandchargenkonvent, am 7.3.1937, den Wiedereintritt in den MKV beschlossen. Er erfolgte am 1.5.1937 auf der Kartellversammlung in Salzburg. Dies war eine noch nie stattgefundene Großveranstaltung, zu der der MKV mit einem Sonderzug nach Salzburg fuhr. In Anerkennung, daß der Wiedereintritt in den MKV von Nibelungia ausging, wurde diese sofort als vollberechtigte Verbindung aufgenommen. Aggstein und Carolina wurden probeweise aufgenommen. Im Sommer 1937 wurde ich dann zum Vorsitzenden des Landesverbandes Niederösterreich (Diözese St.Pölten) gewählt. Als im Jahre 1936 unser Prälat Franz Huber starb, erwirkte ich vom Dom die Erlaubnis, ihm die Bänder seiner Verbindungen in den Sarg mitzugeben. Es waren dies die Bänder der drei St.Pöltner Verbindungen und der KAV Norica Wien. Am 12.3.1938 marschierten reichsdeutsche Truppen in Österreich ein und am 13.3.1938 wurde Österreich als Bestandteil des Deutschen Reiches proklamiert. Ich hatte als Phil.xxxx sofort Kontakt mit dem Phil.x Dr. Walter Antoniolli vlg. Dietrich aufgenommen und mit ihm besprochen, was nunmehr mit der Verbindung geschehen sollte. Daraufhin veranlaßte ich die Aktivitas am 17.3.1938 auf der Bude am Rathausplatz eine BC einzuberufen. Mir ist noch in Erinnerung, daß der Senior, Josef Lenz vlg. Olaf und der FM Karl Nefischer vlg. Giselher, mit der Hakenkreuzarmbinde erschienen, sie aber über meine Aufforderung ablegten. Unten am Rathausplatz marschierte die Deutsche Reichswehr und die Nationalsozialisten gröhlten. Ich hielt eine "Abschiedsrede" und forderte die Aktiven auf, trotz der geänderten polistischen Verhältnisse, an den beschworenen Prinzipien festzuhalten, der Kirche die Treue zu halten und der österr. Heimat in Liebe zu dienen und den Bundesbründern auch fürderhin in Freundschaft verbunden zu beleiben. Sodann wurde über meinen Antrag der Beschluß gefaßt, den Verbindungsbetrieb "bis zur Klärung der politischen Verhältnisse" einzustellen. Das Verbindungsinventar, sowie das vorhandene Geld wurden dem Elternverein des St.Pöltner Gymansiums übereignet, die Couleurartikel, wie das Verbindungswappen, Protokolle und dgl. wurden mir übereignet. Karl Krause vlg. Odin hatte mir geholfen mein neues Eigentum zu mir nach Hause zu bringen. Das Endes diese BCs schien das Ende Nibelungias zu sein und so ähnlich muß die Stimmung gewesen sein, als am 26. November 1819 die Deutsche Urburschenschaft aufgelöst worden war. Während der nun folgenden Jahre habe ich mich bemüht, erschwert durch die Kriegsereignisse, mit den alten Bundesbrüdern Kontakt aufrecht zu erhalten. Mit Kriegseinde begann dann eine neue Zeit. Nach Inkrafttreten des Vereins-Reorganisationsgesetzes beantragte ich mit einigen Bundesbrüdern beim Magistrat der Stadt St.Pölten die Reaktivierung unserer Verbindung. Obwohl Bundesbruder Dr. Hans Wagner vlg. Schlicki, AW der am St.Pöltner Gymnasium als Professor wirkte, eine Reihe von Gymnasiasten für die Verbindung interessieren konnte, war dennoch kein Verbindungsbetrieb zustande gekommen, weil die Eltern dieser Studenten, wegen der russischen Besatzungsmacht, gewisse Sorgen hatten und deshalb ihren Söhnen einen Beitritt zur Verbindung nicht erlaubten. Ich hatte mit dem letzten Phil.x Dr. Walter Antoniolli vlg. Dietrich einen Altherrenkonvent vorbereitet, der am 11.12.1946 auf der Bude der KÖSTV Austria Wien im ÖCV in Wien, Rathausplatz 3 stattfand und an dem 12 Alte Herren teilnahmen. Bundesbruder Bundeskanzler Dipl.Ing. Leopold Figl vlg. Schwips sandte uns zu diesem Treffen ein Schreiben, in welchem er sein Fernbleiben entschuldigte und in welchem er seiner Freude über die Reaktivierung Ausdruch verlieh und seine Verbundenheit zur Nibelungia bekräftigte. Dieser AHC war zugleich der Reaktivierungskonvent der Verbindung. Über Antrag von Dr. Walter Antoniolli vlg. Dietrich, wurde einstimmig die Reaktivierung der Verbindung, die schon in die Wege geleitet war, beschlossen. Über seinen Antrag wurde ich zum Phil.x der Verbindung gewählt und Bundesbruder Dr. Franz Ambichl vlg. Theoderich beauftragt, aus den Reihen der St.Pöltner AHAH einen Chargenkonvent zu bilden. Dieser sollte die Aktivitas bis zum Beginn des nächsten Semestes führen. Am 25.5.1948 konnten bei der Eröffnung und Rezeptionskneipe fünf Fuchsen rezipiert werden und war deren Zahl, bis zu dem, am 26. und 27. Juni 1948 erstmals wieder gefeierten Stiftungsfestes, am 29. Juni auf 14 angewachsen. Die bedeutendste Veranstaltung dieser Zeit war das 30. Stiftungsfest am 4.6.1949, das Nibelungia gemeinsam mit Aggstein feierte. AH Ing. Julius Raab hielt die Festrede. Zu diesem Kommers waren über 300 Personen erschienen und zwischen Aggstein und Nibelungia wurden Freundschaftsbänder ausgetauscht. Beim 33.Stiftungsfest im Juni 1952, wurden erstmals "50 Semesterbänder" verliehen. Aus Anlaß des 75. Semesters fand am 7.12.1958 im Hotel Pittner ein Festkommers statt, anwelchem an dien Gründer und Gründungsburschen der Verbindung die "75 Semesterbänder", die beschlußmäßig nur einmal vergeben wurden, verliehen. Die laudatio durfte ich halten. Einen Höhepunkt der Verbindungsveranstaltungen nach 1945 war zweifelsohne das 40. Stiftungsfest, am 30., 31. Mai 1959. Aus diesem Anlaß spendete die Altherrenschaft der Verbindung eine prachtvolle Fahne, die auf der Vorderseite auf blau-weißem Grund das Wappen der Verbindungl zeigt und auf der rot-wei0-rot gehaltenen Rückseite, den seit der Reaktivierung neuen Wahlspruch "in fide firmitas" trägt. Der ursprüngliche Wahlspruch lautete "Deutsch sein heißt treu sein". Im Auftrag es Diözesanbischofs Michael Memelauer nahm AH inf. Probst Josef Edelhauser vlg. Elmar die Weihe der Fahne in der Domkirche vor und zum Abschluß erneuerten die anwesenden Bundesbrüder ihren Burscheneid vor der erhobenen Fahne. Den Abschluß bildete das Te Deum. Abends fand der Festkommers in den Stadtsälen statt. 40 Chargierte mit sechs MKV-Fahnen waren anwesend. Gewaltiger Jubel brauste auf als unter den Festfanfaren die Fahne Nibelungias in den Saal getragen wurde. Viele Prominente nahmen an dieser Feier teil. Begeisterungsstürme löste dien Anwesenheit, es erst vor Stunden vom Staatsbegräbnis des amerikanischen Außenministers J.F. Dulles zurückgekehrten Ministers Dr. h.c. Leopold Figl vlg. Schwips aus der erklärte, es sei für ihn selbstverständloch gewesen, zu dieser Stunde in St.Pölten mit seiner Nibelungia des Gründungstages zu gedenken. Die Fahenmutter war meine Mutter, Frau Elfriede Machatschek, der dann nach ihrem Tode, 15.10.1967, die Verbindung plenis coloribus mit Vollwichs-Chargierten und der Fahne die letzte Ehre erwies. Mein Kontakt als letzter Vorsitzender des NÖ Landesverbandes des MKV vor 1938 war mit meinen Freunden in der Verbandsführung des MKV nie ganz verloren gegangen. So war es auch möglich, daß ich bereits 1945 an den ersten Gesprächen zur Wiedererrichtung des MKV teilgenommen hatte. Deshalb wurde ich vom prov. Kartellvorsitzenden KB Wilhelm Schmied, RH im Herbst 1946 eingeladen, bei der im November in Wien stattfindenden Kartellversammlung als Vertreter der n.ö. Verbindungen im Kartellpräsidium als Kartellfachbeirat mitzuwirken. Auf dieser Kartellversammlung wurde ich zum Kartellrechtspfleger gewählt und hatte diese Funktion bis Mai 1951 und vom Oktober 1954 bis 30.9.1955 inne. In dieser Funktion war ich maßgeblich an der Neugestaltung der Kartellgeschäftsordnung beteiligt. Als auf dem Altherrenbundtag des 9. Penälertages 1951 in Melk, das Verhalten des Altherrenbundvorsitzenden KB Franz L. Pfeiffer, TH im Zusammenhang über die einzuführenden KGO Bestimmungen, kritisiert wurde, haben gegen ihn vor allem die Verbindungen der Bundesländer eine Resolution eingebracht, die ihn letztlich veranlaßte, den Vorsitz niederzulegen. In der nunmehr notwendig gewordenen Neuwahl wurde ich als neuer Vorsitzender des Altherrenbundes (Kartellphilistersenior) gewählt und übte diese Funktion vom 13.5.1951 bis 30.9.1954 aus. Aus Anlaß des 60. Stiftungsfestes habe ich in der Festschrift die Geschichte Nibelungias geschrieben.
Nibelungia ist mir Heimat Autor: Dr. Rudolf Schwertner v. Hildebrand Wenn ich meine ganz persönliche Geschichte mit Nibelungia erzählen soll, so beginnt diese eigentlich lange vor meiner Rezeption. Ich bin in der Nazizeit aufgewachsen. Die erste Erfahrung damit - ich war damals noch nicht fünf Jahre alt,- war die, daß man nicht mehr sagen durfte, was einem einfiel, sondern beim Reden in Anwesenheit familienfremder Personen sehr vorsichtig sein mußte.
Etwa in der zweiten Volksschulklasse habe ich dann begriffen, daß es für mich ein gutes Unterscheidungszeichen gibt, vor welchen Leuten man ungeniert reden kann, und vor welchen nicht. Es gab nämlich unter den Leuten, die meine Eltern gelegentlich besuchten, solche, bei deren Anwesenheit alles mehr oder weniger steif zuging, man spürte, daß sich die Eltern sehr im Zaum hielten, und andere, die waren wunderbar. Mit denen saßen wir auch noch oft abends beisammen, der Vater nahm die Laute und wir sangen bei verdunkelten Fenstern halblaut Studentenlieder. Vor denen brauchten wir uns nicht zu fürchten. Als dann das tausendjährige Reich zerbrochen und der Krieg zu Ende war, haben die Eltern viel aus der Studentenzeit des Vaters erzählt. Mein Vater war ja Gründungsbursche bei Jungdietrich und Urphilister der CV-Verbindung Amelungia, wo er meine Mutter kennengelernt hatte, die dort Coleurdame war. Es war für mich daher keine Frage, daß ich mitging, als mein Vater, Bandphilister Nibelungiä, zum Wiedergründungskommers beim Zotti ging, und daß ich als sofort rezipierter Fuchs und begeisterter Nibelunge nach Hause kam. Die Aktivenzeit - ich war drei Semester FM , mindestens eines XX, (wenn meine Erinnerung stimmt, ich habe darüber keine Aufzeichnungen).- war eine schöne Zeit, trotz aller Schwierigkeiten. Wir hatten damals zu dritt nur eine Behelfsbude bei den Franziskanern. Die FCs haben wird daher teilweise bei uns zu Hause abgehalten, meine ersten Fuchsen waren ja mein Bruder und seine Mitschüler. Es mag naiv, ja selbstverständlich klingen, aber für mich war Nibelungia eine wesentliche Lebensschule, habe ich doch dort gelernt, auf die Meinungen anderer hinhören, demokratische Entscheidungen auch gegen meine Stimme nicht nur hinzunehmen, sondern auch zu vollziehen, Verantwortung zu tragen, Veranstaltungen und Verbindungsprogramme zu organisieren, usw.. Große Erlebnisse waren für mich - und das nicht nur in der Aktivenzeit, wo kurz nach den Krieg noch alles sehr bescheiden zugegangen ist - auch Verbandsveranstaltungen, die haben mir das Gefühl, ja die Gewißheit vermittelt, wir paar Nibelungen stehen nicht allein, wir sind mitten in einer großen Familie. Wir Nibelungen waren damals auch immer in bestem Einvernehmen mit Ca und Agg, auch wenn es zwischen den beiden - beide waren nach den damaligen Statuten auf die Lehrerbildungsanstalt angewiesen - auch immer wieder gekracht hat. Vorbilder, bezw. prägende Persönlichkeiten von damals waren für mich neben meinem Vater, dem ich auch als Coleurstudent sehr viel verdanke, Dr. Ambichl (der Großvater von Filou), dann Insp.Rat Scheibelauer (der Vater unseres jetzigen PhilX, der sozusagen immer Reservefuchsmajor gewesen ist und die Arbeit der Fuchsmajore ergänzt, die Senioren motiviert, und allen den Schani gemacht hat), Dr. Machatschek, Prof. Neumeier, wenn er da war, (Präsident) Dr. Antoniolli, und nicht zuletzt mein Leibbursch und Fuchsmajor, (Dr.)Heinz Dopplinger und sein Vater, damaliger Konviktsdirektor der LBA und damit die verbindende Persönlichkeit des damals zwar nicht formell, aber de facto bestehenden und vielleicht gerade deshalb besser funktionierenden Stadtverbandes. Wie oft sind wir bei ihm in der Wohnung gesessen und haben gemeinsame Probleme aller Verbindungen besprochen. Was uns damals sehr gestört hat, sei auch nicht unerwähnt. Die offizielle Leitung der Kirche und insbesondere der Pastoralarbeit unserer Diözese hatte die Querelen der vielen katholischen Organisationen vor 1938 vor Augen und glaubte damals, mit einer straff unter kirchlicher Leitung stehenden Jugendbewegung auszukommen. Wir hatten es daher nicht leicht, unser Prinzip religio auch öffentlich zu bekennen. Auch war uns die gleichzeitige Mitgliedschaft bei der Katholischen Mittelschuljugend verwehrt. Wir waren trotzdem dort als Besucher gerne gesehene Gäste. Mit meinem Bruder bin ich auch sozusagen einen juristischen Schleichweg gegangen, um auch offiziell dabei sein zu können. Wir haben argumentiert, als Nachhilfelehrer seien wir auch arbeitende Menschen und sind zur Katholischen Arbeiterjugend in unserer Pfarre - andere Gliederungen gab es dort nicht - beigetreten. Daß die Kirchenleitung inzwischen längst verstanden hat, daß die Einheit nur in der Vielfalt liegen kann, nicht in der Einförmigkeit, brauche ich wohl nicht zu sagen. Eigentlich sollte ich auch zu den Prinzipien etwas sagen, aber die waren für mich so selbstverständlich, daß es mir nicht möglich ist, irgendwelche markante Ereignisse dazu aus meinem Erleben mit der Verbindung herauszufiltern. Nach all dem, was ich bis jetzt geschrieben habe, ist es Euch wohl klar, daß ich nach der Matura schnurstracks zur nächsten Veranstaltung der einzigen für mich in Frage kommenden Hochschulverbindung gefahren bin, zu Amelungia, obwohl ich von dort keinen einzigen Aktiven und nur wenige Alte Herren kannte. Da ich mich dort stark engagierte, war ich für einige Jahre bei Nibelungia weniger präsent. Nach dem Studium zurückgekommen habe ich mich - Nibelungia war inzwischen in der Schreckmühle und auch die ersten HTLer (Maderthaner, Mungenast, Zankl u.a.) rezipiert - wieder reger beteiligt, die Nibelungenwacht (Vorläufer der Heßstraße) redigiert, war PhilXX und PhilX, VG-Vorsitzender usw. In meine Tätigkeit als Philistercharge fallen der Umzug in die Domgasse, sowie die Vorbereitungen zum Umzug in die Heßstraße. Daß ich in den folgenden Jahren nicht mehr so präsent war, hing vor allem mit zahlreichen anderen Verpflichtungen zusammen. Trotzdem ist Nibelungia gewissermaßen Heimat für mich und wird es immer bleiben.
Zur Geschichte unserer Verbindung Autor: Dr. Bernhard Angerer v. Dietrich Zu Beginn des Wintersemesters 1992 gab es ein Treffen der AHAH mit der Aktivitas unserer Verbindung. Das Treffen diente dem Zweck, sich den Voraussetzungen und den gegenwartsbeogenen Bedingungen des Verbindungslebens zu beschäftigen, um die Keilarbeit zu erleichtern und überhaupt an einer Mittelschule zu ermöglichen. Nach den Untersuchungsergebnissen dieses Treffens, die in einer Zusammenfassung den Verbindungsangehörigen zugeschickt worden waren, konnte ich mich in meiner eigenen Einstellung zur Verbindung bestätigt sehen. Das betrifft sowohl die Zeit meiner Aufnahme in die Verbindung als Mittelschüler, wie auch in späteren Jahrzeihnte meiner Zugehörigkeit zur Verbindung als AH. Das Bewußtsein einer Zusammergehörigkeit mit Mitschülern als Bundesbruder und die Vorbildwirkung der AHAH, die ich erfahren konnte, war für mich genau so herausfordernd, daß ich mich für das Verbindungsleben bis heute interessierte. Es hat sich gezeigt, daß die gegenwärtigen Aktiven nicht die Absicht haben, aus der Verbindung einen Kampfverband konfessioneller oder politischer Interessensfindung zu machen. Für mich bedeutete das Verbindungsleben stets auch eine Anregung, die Ungezwungenheit des Daseins, wie dieses für einen Studenten selbsverständlich ist, auch für die Zeit des AH nicht völlig zu vernachlässigen. Wenn das Lied von der "Oh alte Burschenherrlichkeit" auch den Rückzug in das Philisterland mit gesenktem Kopf zum Ausdruck bringt, so mag doch damit nicht unbedingt gesagt werden, daß die Besinnung auf das jung gewesen sein als Student völlig aufgegeben werden muß. Aus meiner Sicht brachte eine ausgiebige Beschäftigung mit der Wissenschaft, also eine mehr als verlängerte Zeit der Studiertätigkeit, die Einsicht, daß das Studentenleben nicht zuletzt in einer Verbindung durchaus geeignet ist. Nicht nur sorgen solche Lieder stets für Stimmung, sondern sie förderen auch den Wunsch, vielleicht doch mitzuhelfen, daß der ewige Student verabschiedet wird. Ansonst habe ich den Eindruck, daß die Gesamtsituation unserer Verbindung eine recht gute ist. Ich habe in letzter Zeit immer wieder Gelegenheit gehabt einen Vergleich mit anderen Verbindungen anstellen zu können, da sich die Praxis der Zussendung von Verbindungszeitschriften über die eigenen Verbindungsangehörigen hinausreichend mehr und mehr verbreitet hat. So hat Nibelungia keine Klage zu führen über innere Quereleien, Budenprobleme, Besucherschwund bei den Festveranstaltungen und ähnlichen Gelegenheiten. Die Aufmerksamkeit der Verbindungsangehörigen, ob zur Aktivitas gehörend oder zur Altherrenschaft, kann damit mehr und mehr den Vorgängen in der Öffentlichkeit zukommen. Aus den verschiedenen Festvorträgen, die in letzter Zeit bei Veranstaltungen zu hören waren, läßt sich ein solcher Eindruck gewinnen. Ich glaube jedenfalls, daß die Verbindung auf dem richtigen Wege ist. In diesem Sinne ein Hoch unserer Verbindung und dem Verbindungsleben.
Meine aktive Zeit bei Nibelungia Autor: OSR Egbert Kunrath v. Pegasus Ich will gerne dem Vorschlag unseres hohen Phil.x nachkommen und euch zu all dem, was ich euch schon berichtet habe, einiges schriftlich niederlegen. Wir waren zehn, in unserer Klasse, die wir uns entschlossen hatten, Nibelungia beizutreten. Nibelungia war damals eine reine Gymnasiastenverbindung, Aggstein und Carolina waren auf die LBA beschränkt. Was mag wohl jeden einzelnen bewogen haben, beizutreten? War es nur das Band der gemeinsamen Weltanschauung, das uns schon in der Schule zusammenfinden ließ? Sicher auch, aber damals waren wir uns sicher noch nicht der ganzen Tragweite unserer Entscheidung bewußt. Geselligkeit, der Reiz, eine bunte Mütze zu tragen, denn man zeigte sich ja auch am Bummel, nach der Halbelf-Uhr-Messe, in der Kremser Straße, gerne in Couleur, man fühlte sich irgendwie über die "Spießer" erhaben. Die Namen des neuen Fuchsenstalles 1929 waren: Klaghofer, Krause, Lorenz, Mang+, Lengenfelder+, Mader+, Michalec, Scheidl+ Schuster+, et Ego. Reinberg+ kam erst ein Jahr später zur Verbindung. Die Rezeption fand im Rahmen eines Couleurausfluges nach Oberradelberg statt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie begeistert ich bei dem Lebe-Liebe-Comment mitgemacht habe. Nach dem Ausflug kamen wir Neofuchsen, wir waren damals, gegen Schulschluß, in der 4. Klasse, auf der Bude, damals bei Zotti, dem Studentenlokal auf der Parkpromenade, zusammen. Ein Vorbild war uns unser damaliger Senior, Schaller.Wir waren jetzt zu Hause drei "Couleuriker": mein Vater, Ehrenmitglied bei Aggstein, und mein um 3 1/2 Jahre älterer Bruder, ebenfalls Aggsteiner. Mein Vater wurde später Ehrenbürger der Stadt St. Pölten. Das Jahr 1929 wurde ein Schicksalsjahr für Österreich. Es gab die letzten Nationlaratswahlen. Ich war, mit einigen anderen jungen Mitgliedern des christlich-deutschen Turnvereins, als Wahlhelfer engagiert. Knapp vor der Wahl wurden wir zusammengerufen, und es wurde uns mitgeteilt, es gäbe jetzt zwei Listen. Ursprünglich gabe es nur die Liste "Österreichische Heimwehr", und jetzt - es war ein unglückseliger Entschluß unseres Bundesbruders Julius Raab - wurde diese Liste gespalten in "Christlich - soziale Partei und Heimwehr", und zwangsläufig gab es eine eigene Liste "Österreichischer Heimatschutz". Ich war damals schon Mitglied des Österreichischen Heimatschutzes, und so war meine Entscheidung klar. Damals schwenkten viele rechtsstehende, aber national eingestellte Peronen zu den Nazis, die bis dahin noch unbedeutend gewesen waren, ab. Es war ein gewaltiges Aufleben der NSDAP, auch Heimwehrführer, wie Dr. Jury, späterer Gauleiter von NÖ, waren dabei. Es gab damals auch Zwistigkeiten zwischen der "Marianischen Studentenkongregation" und uns, denn es wurden dort Studentenmützen eingeführt, und das schien uns ein Privileg für uns zu sein. Auch sonst gab es dort einiges, was uns nicht in Ordnung schien. Alle Nibelungen, auch ich, traten dann dort aus. Daß Figl und besonders Raab eifrige Besucher unserer Veranstaltungen waren, erzählte ich euch ja schon einmal. Die folgenden Jahre waren bunt, turbulent, aber auch interessant. Nibelungia gedieh, gab uns allen viel, mir und wohl auch den meisten von meinen Confüchsen einen Grundstock für den Baum unseres Lebens, von dem wir noch heute zehren. Es gab ja damals noch viele andere Möglichkeiten, aktiv zu sein: Wir hatten im Christlich-deutschen Turnverein eine eigene Studentenriege, ich war Mitglied des St.Pöltner Zweigvereins des "Ersten Wiener Amateurschwimmklubs" und fünf mal Österreichischer Meister im Rückencrawl usw. Wir hatten in der Verbindung auch etliche Fahrschüler, aber die blieben, im Falle einer Veranstaltung, bei einem St.Pöltner Bundesbruder über Nacht. Unsere Veranstaltungen waren immer nett und gemütlich, mit buntem Programm, oft auch waren Gäste geladen. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wir wir, unter Anleitung unseres AH Dr. Beigl, die Bieroper "Das gestörte Ständchen" aufführten. Diese Zeit der Aktivitas war auch die Zeit der ersten Jugendlieben. Wie selig war man, wenn man seine Angebetete nur von weitem sah. Und wie schön war doch noch alles. Ein kleines, harmloses Busserl, ein zartes Berühren der Lippen, machte einen zum glücklichsten Menschen der Welt. Die Achtung vor dem weiblichen Geschlecht war uns eine Selbstverständlichkeit. Auch das gehört wohl zu den schönsten Erinnerungen an diese Zeit.. Ich glaube, die Jugend von heute zerstört sich selbt so vieles. In Kürze wuchsen wir zu einem engen Freudeskreis zusammen, studierten miteinander, machten gemeinsame Ausflüge, trafen einander auch privat, in engerem Kreis, wir wurden Bundesbrüder, die in allem fest zusammenstanden. Heute leben von den zehn Unentwegten noch fünf: Lorenz, Klaghofer, Krause, Michalec und ich. Auch Reinberg, der etwas später zu uns stieß, war mir immer ein besonders lieber Freund, wir studierten immer miteinander, und sein Tod hat mich sehr getroffen.Der Krieg forderte nur einen aus unseren Reihen, einen unsere Besten, Edi Scheidl. Er war aktiver Offizier und fiel schon ziemlich am Anfang des Krieges. Noch etwas zum Thema "Ferialverbindungen": Dort fanden sich Studenten, fast durchwegs koporierte, in den Ferien zusammen. Meine erste Bekanntschaft machte ich als frischgebackenes Füchslein, als ich in den Ferien bei meinen Großeltern in Dürnkrut weilte. Ein Vetter zweiten Grades, Heinz Wille, der Vater des bekannten ÖVP-Politikers, nahm mich zum Stiftungsfest der Ferialis "Falkenstein Zisterdorf" mit. Ich war stolz, Nibelungia würdig vertreten zu dürfen. Dann lernte ich noch die "Kuenring Zwettl" kennen. Prälat Edelhauser war damals Kooperator in der Nähe von Zwettl. Ich war dann, mit einigen anderen Nibelungen, an der Gründung der "Altenburg" in Wilhelmsburg beteiligt (elfenbeinfarbene Samtmützen, Farben Schwarz-Rot-Gold). Als wir einmal, nach einer längeren Radlpartie, in einem Wirtshaus unseren Durst löschten, sprach uns ein Bauer an. Wie unterhielten uns mit ihm prächtig, und zum Schluß erklärte er uns, wir könnten auf der Steinwandleiten ein Stück Grund von ihm haben und uns dort eine Hütte bauen. Holz dazu könnten wir auch selbst schlägern., Nun, nach einem Sommer voll harter Arbeit, Brechen von Steinen, Schlägern von Bäumen, erkannten wir, daß wir die Sache allein nicht schaffen könnten. Aber gemeinsam mit dem Christlich-deutschen Turnverein Wilhelmsburg wurde das Vorhaben doch Wirklichkeit, und es entstand die "Stockerhütte" , die dann von den Nazis enteignet wurde. Die "Altenburg" ging in der NS-Zeit unter und wurde nicht neugegründet. Sicher waren diese Ferialverbindungen sehr sinnvoll, denn schließlich gaben sie Studenten in den Ferien Zusammenhalt, Geselligkeit und auch den Rahmen, ihre gemeinsamen Interessen und Prinzipien zu vertreten. Etwas ganz Besonderes war damals die "Tanzkiste". Es gab einen eigenen Gymnasiastentanzkurs, der in der Regel von den Studenten der 7. Klasse in Anspruch genommen wurde. Er fand jeden Donnerstag um 17 Uhr im Gasthof Kraus in der Wienerstraße statt. Es ging dort sehr vornehm, aber auch lustig zu. Natürlich waren wir Nibelungen, außer den Fahrschülern, dort voll vertreten. Unser Bbr. Dr. Machatschek lernte dort seine Gattin kennen. Jedes Jahr fand auch in den Stadtsälen der Ball des Christlich-deutschen Turnvereins statt. Für Couleurträger gab es freien Eintritt, und selbstverständlich nutzten wir das eifrig aus und tanzten frisch und fröhlich die holde Weiblichkeit auf. Damals gab es noch nicht diese Pärchenwirtschaft wie heute. Einmal tanzte man mit der, einmal mit einer anderen, und es war richtig lustig für beide Teile. Bei der Damenwahl kam man oft nicht dazu, eine Runde fertig zu tanzen, denn das Ablösen und Abgelöstwerden machte besonderen Spaß. Ich schrieb damals schon Gedichte, war dann später bei Rugia Bierzeitungsredakteur und Bieropernverfasser - daher mein Kneipname "Pegasus", den man mir ganz einfach gab - und besaß schließlich nach dem Krieg eine ansehnliche Sammlung von Gedichten, die ich dann einmal der Gattin eines Bundesbruders Rugiae borgte. Sie starb noch jung, und seither ist mein Gedichtband verschwunden. Ein Gedicht fiel mir ein, als ich so über die vergangene Zeit nachdachte, es sagt euch meine heutige Einstellung zum Leben: Möcht einmal noch ganz zärtlich kosen, verliebt sein und erfüllt von Glück. Doch verwelkt sind der Romantik Rosen, vergang´ne Zeit kehrt nicht zurück. Als ich so schritt durch´s weite Leben - wie war die Zeit so wunderschön! Freude empfangen, Freude geben - ich glaubte, den Olymp zu sehn. Ein helles Licht erstrahlte über allem, ich sah es, und ich wollte, es sei mein. Die Zeit verging, und ich sah im Fallen, es war doch nur ein heller Schein, bunt wie des Nordlicht´s Strahlenreigen, der sich vereint hoch am Zenith. Er ist verglüht und wird sich nimmer zeigen, doch nicht verglüht ist all das Glück, das mich geleitet hat durch´s Leben, das die, die nach mir kamen, wird geleiten, mein Leben wird in ihnen sein und mein Vermächtnis, Freude zu bereiten, in neuen Lichtes gold´nem Schein.
Mit diesen Gedanken gehe ich meinem 80er entgegen.
Die Faszination einer Verbindung Autor: Dr. Ernst Neumayer v. Gunther Dieser Artikel erschien nicht in der Festschrift zum 75. Stiftungsfest, sondern in der Zeitschrift "Heßstraße 1". Jedoch hätte er in der Festschrift erscheinen sollen, was aufgrund von Zeitmangel damals nicht mehr möglich war. Daher habe ich mich entschlossen, diesen Artikel zu den anderen zu stellen, in den Kontext, der schon 1994 vorgesehen gewesen wäre. (Jimmy) "Laß mit den Augen des Fuchsen Dich sehen" (Frei nach Weinheber) Vor Beginn der Sommerferien 1937 machte mich mein Freund und Klassenkamerad Karli v. Giselher (Karli v. Giselher ist Hochschul-Prof. Karl ÖSTERREICHER und hat nach seiner Scheidung leider die Verbindung verlassen. Er war auch der einzige, der mich nach dem Krieg darauf aufmerksam machte, daß Nibelungia wieder reaktiviert wurde.) auf die Verbindung aufmerksam, und bald danach waren wir beide auch im Fuchsenstall der KDStV Nibelungia beisammen und bereiteten uns auf die Branderprüfung vor. Es war für mich eine ganz neue Welt, die mich begeisterte und in die ich mich sehr rasch einlebte. Da war die Bude beim "Geist" (heute Pamberger), düster und durch die undichten WC-Abzüge nicht ganz geruchsfrei, aber trotzdem ein weiteres schönes Zuhause; da waren die Bundesbrüder, der UNZEITIG v. Crambambuli, mein Leibbursch (leider gefallen und nicht in der Festschrift erwähnt), der NEFISCHER (ebenfalls gefallen) und vor allem der KRAUSE, der SCHIPSL (auch er ist gefallen), mit dem ich den besten Kontakt hatte. Sie waren alle in höheren Klassen, und wir sagten "Du" zueinander. Das "Du" war außerhalb der Verbindung gegenüber Schülern höherer Klassen gar nicht üblich. Bei den FCs hörten wir von den drei höheren Wissenschaften und den sieben freien Künsten (das hatte uns im Geschichtsunterricht niemand gesagt), lernten so viele, so herrliche Studentenlieder kennen und wurden mit unseren vier Prinzipien vertraut gemacht. Abgesehen vom Inhalt war allein schon die Art, wie der Fuchsmajor sie uns nahebrachte, ein unvergeßliches Erlebnis. Meine Einstellungen und Werthaltungen wurden damals durch diese Prinzipien nachhaltig geprägt und waren im späteren Leben oft wertvolle Hilfestellungen für Handlungsdispositionen und Handhungs-vollzüge. Neu war auch, daß man auf der Bude und in den Konventen seine Meinung sagen und diskutieren konnte, wo doch alles ringsumher vom Elternhaus über die Schule bis in den Alltag hinein so autoritär ausgerichtet war. Daß Chargen nicht ernannt, sondern von den Bundesbrüdern aus den eigenen Reihen gewählt wurden, war für mich ein Novum. Ansichten, Aussagen, Aktionen und Reaktionen der Chargen waren meist einsichtig und überzeugend. Ich hatte das Gefühl, im Kreis einer heranwachsenden geistigen Elite zu leben, deren führende Kräfte bereits deutliche Persönlichkeitsmerkmale aufwiesen. Aus heutiger Sicht würde man sagen: Eine Vereinigung, in der Verantwortungsträger heranwachsen bzw. herangebildet werden. Ja, ich war stolz, sehr stolz, Nibelunge zu sein. Aber dann kam der Weihnachtskommers im Kleinen Stadtsaal. Karli und ich wurden gebrandert Damals mußte man noch sein Lied singen. Während Karli mit seiner glockenhellen und reinen Stimme seinen "Part" in den Raum schmetterte, erlebte der kleine Stadtsaal bei meinem Liede die wohl größte gesangliche Katastrophe seit seinem Bestehen. Es war entsetzlich. Ich schämte mich und wollte fliehen, aber mein Leibbursch holte und hielt mich zurück. Dann kamen sie, die AHAH, auf mich zu, jeder gab mir die Hand. Nicht Worte des Tadels, auch nicht des Trostes, nur der Freude über die neuen Brandfüchse, über guten Schulerfolg waren zu hören, und einer sagte auch so etwas wie "ausgezeichneter Mathematiker". Während das Händeschütteln weiterging und die AHAH noch herumstanden, flüsterte mir mein Leibfuchs Namen wie MACHATSCHEK, RAAB, ANTONIOLLI und noch andere, die ich mir nicht gemerkt habe, zu. Mir sagten diese Namen wenig oder gar nichts. Aber die Art, wie sich diese AHAH gaben, wie sie sprachen, war ja ganz selbstverständlich und doch so ungemein beeindruckend, eine ganz eigenartige Ausstrahlung ging von ihnen aus, wie ich sie bisweilen nur von einzelnen Lehrern, manchmal bei Jagdgesellschaften auf dem Gut meines Großvaters in den böhmischen Wäldern erlebt hatte. Als beim 75. Stiftungsfest nach der Jubelbandverleihung, die übrigens vom bis vor kurzen amtierenden Phil x Prof. Mag. Dr. G. SCHEIBELAUER wohltuend stilvoll gestaltet wurde, BB Univ.-Prof Dr. ANTONIOLLI in beeindruckender Diktion aufzeigte, wo Nibelungia nicht abseits stehen solle, sagte mein Tischnachbar BB Dr. HAAS: "Ist das nicht einmalig, in diesem hohen Alter ganz frei eine so prägnant formulierte Rede zu halten." Da erwachte noch einmal die schöne alte Fuchsenzeit, und ich war überrascht, wieviel doch von der einstigen Faszination geblieben war. Von meiner Brandfuchsenzeit ist wenig zu berichten. Über den letzten Senior möchte ich den Schleier des Vergessens breiten. Obwohl Karli und ich uns intensiv auf die Burschungsprüfung vorbereiteten, blieben wir zunächst der Verbindung letzte Brandfüchse. Am 13. März 1938 holte uns der "Böhmische Gefreite" alle heim. Nach ungefähr einer Woche - die ersten Wellen der "Sieg Heil - Sieg Heil, ein Volk, ein Reich, ein Führer" waren "abgebrandet" - ging ich mit meinem Bruder, der keiner Korporation angehörte, auf die Bude, die sich damals am Rathausplatz in der Nähe des heutigen Dorotheums befand. Mein Schlüssel sperrte noch, und wir suchten nach Schützen. Wir fanden aber nur Liedertexte mit schönen Einbänden, einen Stierkopf und einen abgebrochenen Schläger. Wir packten alles in einen mitgebrachten Rucksack und suchten, nachdem ich mit zittriger Hand, mit einem Stück abgebrochener Kreide den Verbindungszirkel an die Tür gezeichnet hatte, das Weite, im Ohr die letzten Worte von Schuschniggs Radiorede: "Gott schütze Österreich!" HR Mag. Ernst Neumayer, geb 1922, rec.1937, war zuletzt Leiter des berufspädagogischen Instituts des Bundes in Niederösterreich. |