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Farben der KÖMV Nibelungia St. Pölten

Die folgenden Ausführungen sind entnommen dem sehr interessanten Buch „Die Symbole Österreichs“ von Diem (Hervorhebungen durch die Redaktion).

Um das Wesentliche vorwegzunehmen: Es gibt keine einheitliche Bedeutung von Farben, ja es ist sogar zumeist so, dass sie ausdrücklich ambivalent sind, das heißt, dass sie auch das jeweilige Gegenteil bedeuten können. Dementsprechend werden sie auch für die unterschiedlichsten Zwecke gebraucht oder missbraucht. (Blau-weiß als Farbe der „Marianischen Kongregation“ und des Bandes für das „Mutterkreuz“ in der NS-Zeit). Logischerweise kann daher aus Gleichheit der Farben keineswegs auf gleiche Inhalte geschlossen werden - obwohl es nicht an Dummen oder Böswilligen fehlen wird, die das gegenüber weniger Informierten aus manipulativen Gründen versuchen könnten. Aufzuklären und zu unterhalten ist also der Sinn der folgenden Abschnitte.

 

DIE FARBE ORANGE

In der strengen Heraldik kann die Farbe Orange, so wie die Farbe Braun, höchstens als "Zaungast" mitmischen. Sie heißt dort auch manchmal noch "Hyazinth" und wird in Schwarzweißdarstellungen durch eine Schraffur ausgedrückt, deren vertikales Strich-Punkt-Muster nichts anderes als die Kombination von Rot und Gelb darstellt, was ja dem tatsächlichen Mischungsvorgang entspricht.

Orange vereinigt als Zwischenton von Rot und Gelb die Bedeutung beider Grundfarben in sich. Es symbolisiert die "humanisierte Staatsgewalt" und die "erotisierte Sexualität", mit anderen Worten: Es mildert und "verjüngt“ die Eigenschaften des Rot, und es intensiviert die Eigenschaften des Gelb und macht sie "älter" Als Farbe, die in der nördlichen Hemisphäre und ihren gemäßigten Zonen in der Natur nur selten vorkommt, hat Orange einen eigenen, erfrischenden Reiz.

In Flaggen kommt Orange öfter vor, so in den Flaggen Irlands, Indiens, Nigers und Sri Lankas.

Nach dem Fürstenhaus Oranje-Nassau war die niederländische Flagge ursprünglich orange-weiß-blau.

 

DIE FARBE BLAU

Das Kobaltblau oder Ultramarinblau der Heraldik wird in schwarz-weißer Form durch eine horizontale Schraffur dargestellt.

Die waagrechte Linie bedeutet als Ursymbol das weibliche Prinzip. Zunächst gilt die liegende Strecke als Symbol für den Horizont und die Erdoberfläche, dann für den ruhigen, blauen Wasserspiegel. In der Zeichensprache des Fahrenden Volkes ("Zinken") ist der waagrechte Strich die Aufforderung, sich zu ergeben, die Waffen niederzulegen, sich "weiblich" zu geben. Der vertikale Strich fordert hingegen zum "männlichen" Verhalten, zum Widerstand. zum Kampf auf. Durch seinen Bezug zum Himmel und zum Meer weist Blau auf das Unendliche, auf die Ewigkeit hin. Der Farbe Blau wird aber auch Wahrheit und Festigkeit und damit Treue und Beständigkeit zugeschrieben.

Treue signalisiert das Blau auch in mittelhochdeutschen Dichtungen, in der "Frau Staete", die Allegorie der Stetigkeit, einen blauen Überwurf trägt. Blau ist deshalb die Farbe des Sakraments der Ehe.

Wir kennen Blau sowohl als die Farbe des Vergissmeinnichts - offenbar eine Ableitung aus dem bei Blau mitschwingenden Treuegedanken - als auch der Kornblume.

Je lichter das Blau, umso mehr symbolisiert es Reinheit; daher auch der immer hellblaue Mantel Mariens. lhre oftmalige Darstellung auf der Mondsichel lässt Blau ebenfalls als geeignete Farbe für Maria erscheinen.

Für das Jesuskind bildet das Blau eine zärtliche, beruhigende, kühlende Umgebung. Dazu tritt das Silber der Mondsichel.

Wie wir oben gesehen haben, ist Silber das "weibliche" der beiden Metalle und der Mond das "weibliche'" der beiden Gestirne. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich die Farben Blau-Weiß auf den Abzeichen und Fahnen der Marianischen Kongregation finden. Die gleiche Farbkombination wurde für das an viele Tausende Mütter verliehene "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" gewählt: Sowohl das Kreuz als auch das Band waren in der Kombination Blau-Weiß gehalten.

Als Farbe des Universums kann Blau aber auch zur Farbe des Herrschergottes werden - so bei Wotan, der in der Edda, dem nordischen Heldenepos, einen blauen Mantel trägt. Blau wurde mit Jupiter assoziiert und schon manche ägyptische Götter trugen blaue Bärte.

 

Als die Himmelsfarbe ist Blau tiefenpsychologisch Symbol für seelische Gelöstheit und überlegene Lebensgestaltung. Die Farbe Blau gewährt Schutz und stößt Negatives ( auch Insekten !) ab, sie gilt als apotropäisch, also Böses abweisend; vielleicht ist sie deshalb so populär als Signalfarbe der Rettungsfahrzeuge.

Schwenkt die Konnotation ins Negative um, signalisiert Blau zunächst das Irreale, Phantastische, so in der "Blauen Blume" der Romantik, die bei Novalis (" Heinrich von Ofterdingen") als Zeichen für eine unstillbare, in die Ferne gerichtete Sehnsucht und für die Romantik schlechthin steht. Vergleiche auch: " Fahrt ins Blaue", " ins Blaue hineinreden", "das Blaue von Himmel erzählen".

Schon im Mittelalter standen den guten Engeln (in Rot) schlechte Engel (in Blau) gegenüber. Auch im Islam ist Blau die Farbe der Verbrecher am jüngsten Tag.

Als "Gegengift" werden daher im Orient noch heute blaue Amulette (Augen) als Mittel gegen den bösen Blick verwendet.

In der Gegenwart hat Blau eine wichtige Funktion im internationalen Bereich: als Farbe der Vereinten Nationen signalisiert sie deren friedensstiftende und friedenserhaltende Funktion. "Blauhelme" - auch aus Österreich - stehen an vielen Waffenstillstandslinien in drei Kontinenten. Aber auch die Symbolik der europäischen Einigung beruht auf der Farbe Blau, in dunklerer Schattierung als die UNO-Farbe.

In Österreich war die Bedeutung der Farbe Blau in Heraldik und Staatssymbolik immer schon überraschend gering - das blutvolle Rot-Weiß- Rot im Banner eines typisch in sich selbst gekehrten Binnenlandes ("...liegst dem Erdteil du inmitten, einem starken Herzen gleich...") verträgt sich offenbar nicht mit einem in die Weite orientierten Blau, wie es die Flaggen der großen seefahrenden Nationen Europas charakterisiert:

Von Norwegen und Schweden über die Niederlande, Großbritannien und Frankreich bis nach Griechenland - sie alle haben zumindest einen Drittelanteil Blau in ihren Nationalflaggen.

Heraldiker werden eine andere Erklärung wissen: die Farbkombinationen Österreichs gehen auf frühe mittelalterliche Vorbilder zurück, die sich immer wieder an den " Herrscherfarben" Gold, Silber und Rot orientiert haben. Damit aber steht aber auch etwas anderes fest: "Liberale" Farbelemente (blau, grün) gibt es in der gesamten österreichischen Staatssymbolik so gut wie keine - ähnlich wie es auch praktisch keine "demokratischen" Symbole (Sterne und Rautenmuster) gibt.

 

DIE FARBE WElSS

Weiß ist entweder "noch keine Farbe" oder die vollkommene Verbindung aller Farben - d. i. das Paradies oder die Vollendung der Geschichte. Die Farbe Weiß hat als Ursymbol einen dualistischen Charakter: sie signalisiert Leben und Liebe, aber gleichzeitig auch Tod und Begräbnis. So wird sie zum Attribut der Aphrodite von Delphi und der nordischen Freya, der "geliebten" Göttin des Todes. Die Todesbedeutung von Weiß geht wohl auf das Erblassen des Sterbenden zurück. So signalisiert das weiße Pferd im Traum den Tod. Die Farbe der Gespenster ist ebenfalls das Weiß - gewissermaßen der umgekehrte Schatten.

Weiß - d. h das ungefärbte Material - war in der Antike und ist in China die Trauerfarbe.

Als hochzeitliche Farbe bedeutet Weiß den Tod des bisherigen und den Beginn eines neuen Lebens; als Farbe der Trauer signalisiert Weiß das Ende des irdischen und den Anfang des ewigen Lebens.

In der Alchimie ist die Aufhellung oder Weißung ("Albedo") das Zeichen für den Übergang der schwarzen Urmaterie in den Stein der Weisen.

Im Christentum bedeutet Weiß vor allem Unschuld. Reinheit, Jungfräulichkeit und Keuschheit.

Weiß war die Farbe der Heiligen, die kein Martyrium zu erleiden hatten.

Weiß ist daher auch die Farbe des Taufgewandes und die Farbe des päpstlichen Ornats.

Die weiße Lilie gilt als Symbol der Keuschheit (Maria: "sicut lilium inter spinas" - = „wie die Lilie unter den Dornen“; Hohelied 2, l, Lilien am Stab des hl. Josef). Sie steht für Gnade (Lilie vom Mund des Weltenrichters ausgehend) sowie für Recht und Ordnung (Darstellung am Zepter).

Der Heilige Geist wird als weiße Taube dargestellt.

Seit Jahrhunderten gilt das Zeigen einer weißen Flagge oder Tragen einer weißen Fahne (Parlamentärsfahne) als Zeichen der Übergabe - oder Verhandlungsbereitschaft.

 

DIE FARBE GOLD (heraldisch auch als Gelb dargestellt)

Gold ist eines der beiden Metalle der Heraldik. In der Schwarzweißdarstellung wird es durch ein Punktmuster symbolisiert.

Im alten China stand Gold Tür die Uressenz Yang als Gegenstück zu Yin (Silber). Ein zentrales Bild der Alchimie ist die chemische Vermählung und sexuelle Verschmelzung des männlichen (goldgelben) Schwefels mit dem weiblichen (silberfarbenen) Quecksilber Ihr gemeinsames Kind ist der "Stein der Weisen".

Gold ist ein sehr seltenes, korrosionsfreies und glänzendes Metall. Als das edelste der Metalle symbolisiert es Unvergänglichkeit, Ewigkeit, Vollkommenheit und Tugend.

Gold ist "verflüssigte Sonne" und steht daher auch für Energie, Fülle und Stärke. Seiner der Sonne ähnlichen Strahlkraft wegen wird es zum Zeichen für (esoterische) Erkenntnis, aber auch zum Hoheitssymbol.

Für die Kirchenväter symbolisiert Gold das Königtum Gottes (die Magier aus dem Morgenland brachten es ja dem neugeborenen König der Juden dar).

In der mittelalterlichen Kunst weist Gold als Hintergrundfarbe bei Heiligendarstellungen auf die Verklärung hin. Dieselbe Funktion mag es in der Kunst der griechischen und russischen Ikonen haben. In der christlichen Symbolik bezeichnet Gold auch die höchste aller Tugenden, die Liebe.

Wie alle Symbole ist auch die Farbe Gold ambivalent. Sie drückt im negativen Sinne irdischen Reichtum und die Abwendung von den wahren Werten aus - so im Fluch, der auf dem Nibelungenschatz ruht, oder im "Mammon" im "Jedermann". Als Ausdruck des Geizes und des Geldes wird Gold in der Traumsymbolik in die Nähe der Exkremente gerückt (vgl. auch das Bild vom "Goldesel", der schon bei den Azteken ein Vorbild hat, die das Gold als die "Ausscheidung des Sonnengottes" bezeichneten).

In der österreichischen Heraldik spielt der "Orden vom Goldenen Vlies" eine große Rolle. Das Gold kommt in unzähligen Herrschaftssymbolen (z. B. den Reichsinsignien und Privatkronen) zum Ausdruck. Gold hat auch als Farbe der Attribute des österreichischen Wappenadlers eine heute kaum jemandem bewusste Bedeutung.


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